• Stefan Reusch

Grütters Grütze

Wertschätzung und Unterstützung der Künstlerinnen und Künstler seien notwendig, "wenn wir das Kulturleben in seiner Vielfalt weiterhin genießen wollen.“ Das - und leider noch mehr - sagte am Ende des Jahres 2020 Monika Grütters. Wenigstens hat sie keine Geigen darunter gelegt.

Jetzt mal abgesehen von dem "Wir", (wer das wohl sein mag?) das klingt doch schön. Vielfalt ist gut, und Genuss sowieso, ja ja – bloß: Was soll die Grütze?

Die Dame Grütters ist Kulturstaatsministerin, und soll mir keinen vorfaseln, dass sie Künstler und ihre Artefakte genießen will. Ich will nicht genossen werden. Ich will bezahlt werden.

Grütters groteskt weiter: „Kultur ist nicht nur ein wichtiger Standortfaktor, sondern sie ist vor allem eins: Sie ist Ausdruck von Humanität".

Die Vielfalt in der Einfalt ist Sorgfalt. „Schlecht für den Standortfaktor“ so äußerte sich vor Jahren gern vornehme Politik, musste sie auf rechte Pöbeleien und Gewalttaten reagieren. So was sei schlecht für den Standort, brabbelte es dann. Es ist vor allem schlecht für die Angepöbelten, die Zusammen-geschlagenen! Das zu merken, zu sagen und entsprechend zu handeln – das wäre "Ausdruck von Humanität"!

Und nun ist es also soweit, dass auch die Kultur zum "wichtigen Standortfaktor" degradiert wird von der wohlfeilen Gönner-Gemeinschaft. Die leidet und seufzt: „Ach, wäre es schön, mal wieder ein Konzert zu hören, ein Getränk zu nehmen, im Theater zu lachen.“

Natürlich würde Frau Grütters dafür bezahlen. Sie würde sogar Reservate für Kultur einrichten, - mitten im Standort. Kosten dürfte es wenig, oder die Wirtschaft, die ja einen Standort braucht, spendiert was, ein solidarisches Klatschen ist aber auch nicht verkehrt.

Um Künstler zu stützen, könnte man auch den wirklich Vermögenden an die Portokasse gehen, aber die Eigentumsfrage ist heikel und hat nichts mit Wertschätzung zu tun. Vielleicht plant Frau Grütters die profane Suppenküche aufzuwerten, indem sie dort Königinnensuppe für KünstlerInnen serviert (die sind ja schon was Besonderes).

Auf dass sie einem nicht wegdämmern, die KünstlerInnen. Wäre für den Standort ungut.

Die Wahrheit über Frau Grütters ist: Sie und ihresgleichen mögen lebendige Kultur nicht. Kultur ist ihnen nur als ein Ding geheuer, als ein Faktor an einem Standort, den sie sich ausgucken. Ein Ort, der sauber sein soll, und auf den man eine schöne Sicht hat. Wie die Kulturschaffenden von da zurückschauen, was die so für einen Ausblick haben – na ja, das ist deren Ding. Die Freiheit der Kunst eben.

Nur, dann Frau Grütters, sag's doch einfach, wenn du es so gönnerhaft- majestätisch siehst. Oder sag wenigstens nichts.

Guck mal: Diese Marie Antoinette damals, die hätte ihren Leuten Brot geben können oder wenigstens die Klappe halten können. Ihren Satz mit dem Kuchen, den die Leute gefälligst essen sollen, wenn sie kein Brot haben, den hat man ihr sehr übel genommen.

Kultur geht nach Brot. Sie ist, wenn sie ist, lebendig, am Hofe ist sie es nicht.

Frau Grütters liebt das Berliner Stadtschloss, es ist ihr Projekt. Mehr muss man über sie eigentlich nicht wissen. Kunst als Künstlichkeit, das ist ihr Ding, ihre Kompetenz das Schloss-Garnieren mit ein bisschen nationalem Tschingderassa und das Beachten einer angemessenen Kleiderordnung.

Schwarz tragen könnte sie auch. Die Würde hat sie. Wenn auch nur als Gespreize: „Am Ende dieser Pandemie werden wir uns alle ehrlich fragen müssen, (schon wieder dieses anmaßende, herbeihalluzinierte "Wir"! Und dazu noch diese Patentphrase vom "Sich-Ehrlich-Fragen-Müssen...arrggh!) was durch diese [Corona] Krise noch deutlicher ans Licht gekommen ist und was wir ändern müssen.“

Jedes Wort. Ein Schrecken. Es schmerzt. Muss man nicht.

Und schon wollte ich diese gestanzten Sätze mit einem „Hat doch eh keinen Zweck“ zur Seite schieben, in den Papierkorb, ins Vergessen, da spricht es aus der Grütters Anfang des Neuen Jahres erneut. Der Anlass, so lese ich: „Deutschland soll eine Gedenk- und Bildungsstätte über den deutschen Vernichtungskrieg und die Verbrechen der Besatzung im Zweiten Weltkrieg erhalten.“ Noch zögere ich. Will ich lesen, was sie, Grütters die Große, dazu zu sagen hat?

Die Neugier siegt.

„Der Zweite Weltkrieg und die Verbrechen in deutschem Namen---.“ Schlimm. Nicht mal Gauck oder Gauland hätten es perfider formulieren können. "In deutschem Namen“ - Als hätte eine böse außerirdische Macht (Österreich?) Deutschlands Unterschrift gefälscht und so Namensmissbrauch betrieben.

Das ist Kultur a´ la Grütters, das ist deutsche Bewältigungskultur, also keine.

Weiter: Wozu soll denn die Aufdeckung des fälschlich in deutschem Namen Begangenem dienen, die an diesem dann rechtmäßig von Deutschen zu begehendem Ort zu besichtigen wäre?

Letzter Versuch (und dann geh ich saufen. Mist, geht ja nicht. Oh du mein Standort, wo bist du hin?) Für Frau Gr. ist es von großer Bedeutung lese ich, "dass wir die Geschichte der deutschen Besatzungsherrschaft noch genauer aufarbeiten, dokumentieren und einer breiten Öffentlichkeit vermitteln.“

Mit anderen Worten (bzw. überhaupt mit Worten, denn allein „genauer aufarbeiten“ ist so – ich hör schon auf.): Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen. Zum Beispiel Monika Grütters.

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