• Stefan Reusch

Die Bahn, der Trump, die Lebensfreude

Die Bahn, der Trump, die Lebensfreude - eine kleine Philosophie des Verlierens

Bearbeitung der „Is’ was?- Glosse aus " CORSO“ , DLF vom 13.11.

Die Deutsche Bahn verliert an Zugkraft, die türkische Lira verliert an Wert, und der türkische Finanzminister, Erdogans Schwiegersohn, deswegen seinen Job, Die Jugend hierzulande verliert ihre Leichtigkeit wegen Corona, so Familienministerin Giffey, die vielleicht ihren Job verliert, Wie andererseits und außerdem Corona an Kraft verliert, vielleicht, irgendwann.

Vorsicht: Verlierer können sich lange halten.

Und: dass es Verlierer gibt, ist wichtig. Was wären ohne sie denn die Gewinner? Nichts. Keine Gewinner jedenfalls. Gut, es gibt noch jede Menge zwischen "ganz oben" und "ganz unten". Klar. Die Welt restlos in Gewinner und Verlierer aufzuteilen, dazu gehört schon ein gerüttelt Maß an Ignoranz. Donald Trump verfügt darüber.

Er ist - in seinen Augen - ein restloser Gewinner. Nicht gewinnende Männer verlieren. Frauen, Haare, Schlachten. Alles mögliche.

Trump nicht. Und er erfährt Unterstützung. Eine Umfrage am Dienstag ergab: 72 Prozent der US-Bürger meinen, dass der Wahlverlierer seine Niederlage eingestehen müsse. Das heißt, 28 Prozent sind sich da zumindest nicht so sicher.

Hui! Dahinter steht der feste Glaube: ein Gewinner kann nicht verlieren. Man kann versuchen, ihm den Sieg zu stehlen, ja, ihm den Dolch in den Rücken zu stoßen – aber Trump und seine Gemeinde macht das nur noch fester im Glauben. Und so, gegen jeden Zweifel gefeit, bleibt Trump, und kommt sich allein in seinem weißen Häuschen überhaupt nicht verloren vor. Ob der zittert? Nö, der twittert. Der ist putschmunter. Für den Außenstehenden mag Trump sich mehr und mehr in Hirngespinsten verlieren, aber wer außen steht, ist halt kein Gewinner, sonst stünde er ja nicht außen.

Man muss Trump die objektive Niederlage schmackhaft machen. Dass er sein Gesicht wahrt, dass er nicht merkt, dass er verloren hat. Bloß wie?

Vom alten Bundeskanzler Kohl ist ein Satz überliefert, mit dem es ihm geradezu absichtslos gelang, Sieg und Niederlage miteinander zu versöhnen. Vielleicht wäre das was für Trump, eine Art Gewinn-Warnung.

Nach einer Wahlschlappe meinte Kohl nämlich: „Wir haben eine schwere Niederlage errungen.“ Hier wird der Gewinn so hübsch entwertet, dass der glücklich Unterlegene der wahre Sieger ist; also in unserm Falle Donald Trump heißt.

Ein kleines Problem bleibt: Wer sagt es ihm?

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