• gerdnormann

Bürokratiemonster

Falls sich jemand fragen sollte, weshalb das mit den Masken, der App, der Impfung, der Nachverfolgung der Infektionswege, den einheitlichen Maßnahmen in den Bundesländern und insgesamt der Entscheidungsfindung nicht klappt, dem kann ich sagen … weil es der Normalzustand in Deutschland ist. Langsam, rechthaberisch, egoistisch und im Endeffekt dumm, so reagieren die handelnden Personen … weil sie es nicht anders kennen. Sie glauben, das müsse man so machen … weil es alle so machen.

Dazu ein schönes Beispiel das mir gerade mit der Gema passiert ist. Ich bin bei der Gema als Musikurheber und Musiknutzer gemeldet. Als Musiknutzer habe ich eine Kundennummer und als Musikurheber eine Mitgliedsnummer. Ich habe im Dezember telefonisch versucht eine Sonderregelung für unsere Showfensterkonzerte, die wir bei einem Optiker und in einem Schuhladen veranstaltet haben, zu erreichen. Ich wollte eine Sonderregelung, weil wir Künstlern während des Lockdowns die Möglichkeit gegeben haben aufzutreten, obwohl die Theater geschlossen waren. Der Mitarbeiter konnte mir am Telefon nicht weiterhelfen, hat mir aber bestätigt, dass diese Veranstaltung ein Sonderfall ist. Ich sollte bitte eine schriftliche Ausformulierung meiner Anfrage an die Gema stellen. Nach 2 Monaten kam die Antwort per mail, dass sie keine Ausnahme, auf Rücksicht auf die anderen Musiker, zulassen könnten. Also wollte ich die Veranstaltungen im Nachhinein anmelden und die Setlist einreichen. Bisher hatte ich das immer per einfachem Brief postalisch gemacht. Eine Zeitlang hatte die Gema versucht, mich mit dem Zuschicken unendlich vieler Meldebögen, dazu zu bewegen, die Veranstaltungen schon drei Tage vor der Veranstaltung anzumelden. Mit Angabe der Zuschauerzahl. Da das nicht möglich ist, da man erst nach der Veranstaltung weiß, wieviel Zuschauer da waren, habe ich (wieder telefonisch) versucht, mit ihnen eine Lösung zu finden. Die aber mit ihnen nicht zu finden war, da die von ihnen aufgestellten Regeln eben so waren. Also habe ich immer einen Brief geschrieben, in dem ich die Veranstaltung mit kurzen und knappen Worten angemeldet habe und eine eigene Setlist mit den Liedern dazugelegt. Das Wort „Setlist“ wird von der Gema genutzt, nicht von mir. Ich bekam einige mails und auch einen Anruf, dass das so nicht geht. Ich habs aber einfach immer weiter so gemacht und siehe da, nach einem halben Jahr gings. Sie haben auch ein Jahr gebraucht, um zu bemerken, dass meine Veranstaltungen in den Tarif „Wortkabarett“ gehören. Ein Jahr lang habe ich also überteuerte Rechnungen bezahlt. Plötzlich und ohne mich zu informieren, wurde dann der Tarif geändert. Von dem zuviel bezahlten Geld habe ich nichts zurückbekommen. So, jetzt wieder in die Jetztzeit. Da ich in Zukunft recht viele Veranstaltungen haben werde, wollte ich jetzt den kürzlich von den Gema installierten Online-Service nutzen. Dort möchte ich eine Setlist einreichen und die Veranstaltung anmelden. Ich komme aber nicht so richtig rein in das Portal, irgendwie geht das nur mit einem Code. Um diesen Code zu bekommen, muss ich mich mit der Kundennummer und einer Vertragsnummer oder einer Rechnungsnummer anmelden. Ich suche in meinen Unterlagen, finde aber zusätzlich zur Kundennummer keine Vertragsnummer. Eine Rechnungsnummer habe ich nicht, also nehme ich mal eine Rechnungsnummer einer alten Rechnung … und siehe da, die funktioniert, es geht weiter. Aber mir wird nur mitgeteilt, dass mir der Code zugeschickt wird. Okay, ich warte. Ich schaue immer mal wieder in den Postkasten, also den emailpostkasten, aber da kommt nix. Also rufe ich an und mir wird gesagt … jetzt ACHTUNG … dass mir der Code innerhalb der nächsten drei Tage postalisch zugeschickt wird. Postalisch, per Brief, oldschool … für den Online-Service. Nach über einer Woche ist der Brief noch nicht angekommen. Ich denke … vielleicht arbeiten die mit den Gesundheitsämtern zusammen, deren Mitarbeiter gerade mit einem Faxgerät unter dem Arm die Infektionswege nachverfolgen und nebenbei für die Gema Briefe rumtragen. Sollte man mal nachprüfen, ob die Infektionswege mit der Verschickungsrichtung der Gemapost identisch sind. Die Mitarbeiterin am Telefon meinte, die Anmeldung der Veranstaltung müsste aber über den Online-Service funktionieren. Ich frage, wieso ich die Setlist nicht direkt bei der Anmeldung der Veranstaltung mit einreichen kann. Sie meint: „Ne, das ist so geregelt!“

Das habe ich dann gemacht. Alle Veranstaltungen angemeldet mit meiner Kundennummer, ich bekomme jedes Mal eine mail, mit der Bestätigung. Die erste Information in der mail lautet: ohne Kundennummer. Ich bin beruhigt. Es läuft prima. Ich rufe wieder an, ein Code ist noch nicht eingetroffen. Auf die Frage der künstlichen Intelligenz, ob ich bereit bin, das Gespräch aufzeichnen zu lassen, sage ich: JAA! Eine andere Mitarbeiterin hebt ab, ich erkläre ihr wieder den kompletten Ablauf. Sie weist erneut darauf hin, dass ich die Setlist nur mit Code eingeben kann, den Sie mir innerhalb der nächsten drei Tage postalisch zuschickt. Ich erkläre, dass ich gleich wahnsinnig werde und frage vorsichtig nach, weshalb es nicht möglich ist, wie bei anderen im Internet auffindbaren Firmen auch, sich einfach mit der Kundennummer anzumelden und dann Zugang zu allen Bereichen zu haben. Und dass es einfacher wäre, Anmeldung und Setlist in einem Vorgang einzureichen. Die Dame hört sich meine, mit unterdrücktem Zorn, vorgebrachten Vorschläge ruhig an und meint dann, dass Sie gerade noch interne Probleme haben und an der Verbesserung arbeiten. Ich frage, ob es nicht möglich wäre, den Code jetzt am Telefon zu sagen oder ihn mir per mail oder sms zuzusenden. Ne, das ging nicht, das geht nur postalisch. Ich erkläre ihr die Situation … dass es ja eigentlich so ist, dass die Gema durch den Online-Service die Bearbeitung der Anmeldung und Setlist von sich auf den Kunden auslagern möchte. Höchstwahrscheinlich um Mitarbeiter einzusparen. Ich als Kunde aber nicht bereit bin, so einen umständlichen Schwachsinn mitzumachen und wieder auf meine bewährte Veranstaltungsmeldung zurückgreifen werde. Ich werde ihnen einen Brief schicken. Postalisch, oldschool. Die Arbeit bleibt bei der Gema und vielleicht kann ich so den ein oder anderen Arbeitsplatz retten.

Deutschland im Jahr 2021.



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